Internet & Cyber-Sexsucht

Der Hype im Cybe

Durch Computer oder Mobiltelefon ist Internet und Pornografie jederzeit weltweit zugänglich. Kosten sind gering, das Angebot groß und die Nutzung anonym (im Gegensatz zu Videotheken früher). Deshalb kann man sich vor dem Bildschirm alles erlauben - ohne Rücksicht, ohne soziale Hemmung.

Ziel von Pornografienutzung ist Erregung und Orgasmus. Man findet:

  • Porno in Bewegtbild / Video und Fotos
  • Chats: Text oder Mailkontakt
  • Plattformen mit Kontakten zu erotischen Treffen bishin zu Seitensprüngen

Gibt man bei Google den Suchbegriff „Sex“ ein, findet man über 3 Milliarden Einträge. 42,7% der erwachsenen User haben bereits pornografische Websites aufgesucht. Schätzungen sprechen von 2 Millionen Internet-Sexsüchtigen in Deutschland und 40.000 in Österreich. Neun Zehntel davon sind Männer.

Die Begegnung läuft in den meisten Pornovideos stereotyp ab. Ohne viel Worte kommt es zum Verkehr, der lieblos, ohne Respekt, Rücksicht, Kontakt oder Zärtlichkeit. Die Partner leben egoistisch ihre "Lust" aus, der/die andere wird zum Objekt.

Am Anfang ...

ab und zu genutzt, ist es der Reiz des Geheimnisses - eine eigene Welt zu besuchen. Youporn, einfachporno, boafoda & Co. - zwischen Abscheu, Erregung, Faszination und Gewissensbissen. Die Bilder setzen sich im Kopf fest und bleiben haften. Häufig konsumiert befreit Pornografie nicht, sie vergiftet.

Wenn´s zur "Sucht" wird ...

Das ist wie bei Esssucht: Man hat zwar keinen Hunger und auch keinen spezifischen Appetit, aber ein unspezifisches Mangelgefühl und isst einfach drauflos. Was man (im Kühlschrank oder im Netz) findet, macht kurz satt, stumpft aber relativ bald ab und steigert die Toleranz. Ähnlich wie bei der Esssucht werden tiefer liegende Bedürfnisse zudeckt und scheinbar bewältigt.

Sucht beginnt ab 6 Monate anhaltend intensiv mehr als sechs Stunden pro Woche. Wenn regelmäßig dadurch Stress und Belastung kompensiert wird, man das Gefühl hat, die Kontrolle über Konsum verloren zu haben und die Dosierung und notwendige Reize ständig steigen, die sexuellen Fantasien und Erfüllung drängen und beim Surfen Zeit und Raum entgleisen.

Durch zu viel virtuellen Sex läuft man Gefahr, bei "realem" Sex auf spezielle sexuelle Praktiken fixiert zu sein ohne die man anders keine Befriedigung mehr erlebt.

Sucht Fragen

  • Können Sie noch Intimität teilen?
  • Wie lange halten Sie es ohne aus? Was passiert dann?
  • Werden Sie unruhig, hippelig, genervt, barsch, gelangweilt, gereizt, unkonzentiert oder depressiv?
  • Haben Sie mehr Kontakte online als offline?
  • Bestimmt Pornografie Ihre Wochenendplanung und Feierabende?

Folgen von zuviel Cybersexkonsum

  • Vernachlässigung von Freunden und Bekannte
  • Meidung von realen sexuellen Kontakten sein
  • starke Scham- und Schuldgefühlen - Gefühl "sündig", "schmutzig" zu sein
  • Vernachlässigung des Berufsleben, was schließlich im Verlust des Arbeitsplatzes führen kann
  • bis zu völliger Vereinsamung, Angstzuständen oder Depression
Wer zu viel Cybersex konsumiert, riskiert Freundschaften, Anstellung, Partnerschaft und das eigene Wohlbefinden.

Wirkung auf die Partnerschaft

  • Frauen empfinden nach Internetpornografie-Konsum tendenziell eine niedrigere Körperzufriedenheit.
  • Männer werden durch viel Internetpornografie kritischer gegenüber dem Körper ihrer Partnerin und haben dadurch zunehmend weniger Eigeninteresse an häuslichem Sex. Stundenlanger Pornokonsum und Hinauszögern des Kommens führt häufig auch zu Ejakulationsstörungen, dass mann nicht mehr oder nur sehr schwer beim Sex mit der Partnerin kommt.

Zuviel Pornografie ruiniert die Beziehungsfähigkeit, da bei Pornografie die zwischenmenschliche Beziehungskomponente vernachlässigt wird und der/die andere auf genitale Attribute reduziert und zur eigenen Befriedigung missbraucht wird. Die Bilder desensibilieren für das Alltägliche. Das "Ungewöhnliche" wird normalisiert und es braucht zunehmend intensivere, extreme bis hin zu destruktiver Stimulierung. "Ich komme nur noch manuel, wenn ich es mir mache, nicht mehr in ihr. Oder aber zwischen ihren Brüsten."
Durch die "Fremdbilder" verliert partnerschaftlicher Sex an Intimität, Exklusivität und emotionaler Zugewandtheit und die Bedeutung der intimen Kommunikationsform und das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Sex wird "Leistung" und Selbst-Befriedigung — Appetenzverlust und/oder Erektionsprobleme, die bis zu Impotenz können die Folge sein. "Es ist egal wo ich berührt werde, es reagiert nur noch der Schwanz.".
Fast ein Drittel der Betroffenen leidet unter Depressionen und ausgeprägten Angstzuständen.

Internet als „Dreiecksbeziehung“ - die Wirkung auf PartnerIn

  • Mißtrauen und Verrat
  • Verzweiflung und Enttäuschung
  • Scham und Minderwertigkeitsgefühl
  • Entfremdung - PartnerIn fühlt sich "nicht gemeint"
  • Vertrauensverlust bis hin zur Trennung
  • Ratlosigkeit und Irritation
  • Druck zu Handlungen, die im Internet dargestellt werden
  • Ein Minenfeld an Irritationen

Hilfe und Heilung

Erfolg durch Beratungsgespräche ist überraschend gut. Viel erfolgreicher als jene von anderen Suchterkrankungen wie Alkoholismus oder Medikamentenabhängigkeit. Darüber zu sprechen, sich den Druck "von der Seele zu reden" erleichtert, aktiviert Selbstheilungskräfte und dadurch gewinnt der Klient Kontrolle und Gefühl von Selbstwirksamkeit.

„Zurückholen in die Wirklichkeit und der Versöhnung mit ihr. Dies führt zu einer höheren Zufriedenheit und vermindert den Druck, in eine Traumwelt flüchten zu müssen.“
Wichtig ist, dass man wirklich selbst etwas verbessern will - nicht fremd motiviert oder gezwungen ist.

Fast alle meine Patienten sind nach wenigen Monaten freier und merken dann erst, wie unfrei sie waren.
Da man weiterhin tagtäglich visueller Stimulation ausgesetzt ist, braucht es viel Selbstdisziplin. Bei einem kurzen Rückfall ist es wichtig, sich umgehend wieder Hilfe zur Stabilisierung zu holen. Ziel ist, dass Betroffene wieder ein gesundes Leben führen können, ohne sich selbst, ihre Beziehung oder ihren Arbeitsplatz zu gefährden.

Quellen:
 
Hilfe zur Selbsthilfe bei Onlinesucht:
OASIS - ein neues Online-Beratungsangebot Projekt der Uni Bochum.

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